Veranlassung / Schutzziel

In Döbeln verzweigt sich die Freiberger Mulde in das eigentliche Gewässerbett und die Flutmulde. Zwischen beiden liegt der historische Stadtkern in inselhafter Situation mit einem sehr hohen Schadens­potential.

Die Untersuchungen im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes „Mulden“ haben gezeigt, dass insbe­sondere im Stadtgebiet von Döbeln die gegenwärtig vorhandenen Hochwasserschutzanlagen entweder nicht ausreichend dimensioniert bzw. Bereiche der Stadt nur unzureichend vor Hochwasser geschützt sind. Über weite Strecken sind die Ufer der Freiberger Mulde und der Flutmulde ufernah bebaut; die beiden Gewässer werden im Planungsbereich von 9 Straßen bzw. Geh- und Radwegbrücken überspannt. Die bereichsweise vorhandenen Ufermauern weisen unterschiedliche Höhen und unterschiedliche bauliche Zustände auf. Daneben gibt es auch muldenahe Bereiche, die über keine Anlagen zum Hochwasserschutz verfügen.

Gemäß Hochwasserschutzkonzept (HWSK) tritt die Überflutung bereits bei einem statistischen 25-jährlichen Hochwasserereignis (HQ25) ein. Ein besonders tiefliegender und dadurch gefährdeter Bereich befindet sich an der Staupitzmühle. Schadensgefährdet durch eine Überflutung sind außerdem die weiter stromauf liegenden Bereiche am rechten Mühlgrabenufer sowie an der Mulde:

  • Wohnbebauung in der Innenstadt, wobei es sich hier stellenweise um historische Bausubstanz handelt,
  • das Krankenhaus selbst ist aufgrund seiner Höhenlage nicht gefährdet, wohl aber die ufernahe Zufahrtsstraße,
  • stromab des Innenstadtbereiches das städtische Bad sowie die Flächen für Freizeit und Erholung.

Hochwasser Döbeln StadtbadHochwasser Döbeln Stadtbad
überflutetes Stadtbad 2002

Ziel ist die Herstellung bzw. Ertüchtigung von Hochwasserschutzanlagen im Stadtgebiet von Döbeln, die den Schutz gegen ein statistisches 100-jährliches Hochwasserereignis HQ100 Planzustand, d. h. nach Umsetzung der geplanten Maßnahmen im Oberlauf der Freiberger Mulde, gewährleisten. Zur zusätzlichen Sicherheit ist ein Freibord von 50 cm geplant.


Lageplan mit Überschwemmungsflächen August 2002

Planerische Folgerungen

Die Möglichkeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Stadtgebiet Döbeln sind begrenzt, da die Freiberger Mulde und die Flutmulde über weite Strecken ufernah bebaut und die Möglichkeiten für eine Erweiterung der Abflussprofile dadurch beschränkt sind. Die im Stadtzentrum liegenden Brücken sind in ihrer Höhe nur im begrenzten Umfang veränderbar.

Flutmulde Brücke Kaufland

Flutmulde Abschn. II/1.2



Mit der vorgesehenen Verbreiterung des Fließquerschnittes der Freiberger Mulde und der Flutmulde wird eine deutliche Reduzierung der notwendigen Höhen der Hochwasserschutzwände erreicht. Die umfang­reicheren Erweiterungen erfolgen an der Flutmulde. Dies wird durch Abtrag der wasserseitigen Böschungen, durch Aufweitung über Vorlandabtrag und Anlegen eines Rechteckprofils mit Uferwänden erreicht. Im Bereich der Freiberger Mulde ist ebenfalls abschnittsweise eine Aufweitung des Abflussprofils vorgesehen. Der Hochwasserschutz an der Freiberger Mulde wird durch Wände und Geländeaufhöhung erreicht. An der Insel Sörmitz werden die Deiche teilweise zurück gebaut, um Retentionsflächen zu schaffen. Das Verteilerwehr Döbeln wird leicht gedreht neu errichtet, um eine optimale Anströmung im Hochwasserfall zu erreichen und im Hochwasserfall die Abgabe in die Flutmulde zu erhöhen. An den anderen vorhandenen Querbauwerken in der Freiberger Mulde erfolgen keine baulichen Veränderungen. Die Brücke über die Flutmulde wird durch einen Neubau ersetzt.

Allgemeine Trassenführung

Die Hochwasserschutzmaßnahme beinhaltet den Bau von freistehenden Hochwasserschutzmauern mit etwa 6,5 km Länge und max. 1,30 m Höhe. Sie bestehen aus optisch gestaltetem Stahlbeton. An Straßen und Wegquerungen sind einzelne mobile Elemente geplant. Teilweise werden bereits vorhandene Ufer­mauern ertüchtigt.

Vorgesehen ist sowohl Auf- als auch Abtrag von vorhandenen Uferböschungen und deren Befestigung mit Steinschüttung und teilverklammerten Wasserbausteinen bzw. deren Begrünung mit Rasen. Weiterhin werden landseitig Kontrollwege gebaut. An Stellen, wo genügend Platz vorhanden ist, werden statt der Mauer Deiche angelegt.

Physikalisches Modell

Im Hydrolabor Schleusingen erfolgte eine gegenständliche Modellierung der Freiberger Mulde und Flut­mulde im Stadtgebiet Döbeln.


Modell optimierter Planzustand Freiberger Mulde,
Abzweig Flutmulde mit Verteilerwehr Döbeln
Stechpegel Freiberger Mulde



Querprofile beim Einsanden, Freiberger Mulde Betonieren der Oberfläche, Freiberger Mulde

Ergebnisse der hydraulischen Optimierung der Freiberger Mulde und Flutmulde im Stadtgebiet Döbeln:

• Position des neuen Verteilerwehrs Döbeln
   mit Verschiebung und Drehung in den Flusslauf der Freiberger Mulde hinein
• Wehr als bewegliches zweifeldriges Klappenwehr (Fischbauchklappen) mit mittigem Betriebsauslass
• OK Klappen 169,00 m ü. HN
• Böschungsanpassung linkes Ufer Freiberger Mulde vor dem Wehr
• Linienführung der Flutmulde auf optimierten Ausbauzustand
• Sohlhöhe der Niedrigwasserrinne bleibt erhalten
• Uferanpassung Flutmulde entsprechend den Modellversuchen (linkes und rechtes Ufer)
• Zufahrtsrampe in Fließrichtung, Lage entsprechend Modellplanung
• schadfreier Abfluss bis 33 m³/s ohne Dotierung der Flutmulde (außer Betriebsauslass)

Vorhabensgliederung

Aufgrund des großen Umfanges der notwendigen Baumaßnahmen mit ca. 6,5 km Hochwasserschutzmauer und ca. 1 km Deich wird das Gesamtvorhaben in fünf Projekte untergliedert:

 Döbeln Nord

 Döbeln Altstadt

 Döbeln Süd

 Verteilerwehr

 Brücke Straße des Friedens

Die Planung der fünf Ingenieurbüros gliedert sich in insgesamt 21 Einzelabschnitten und das Verteiler­wehr. Damit wird die Planung beschleunigt und es kann an mehreren Abschnitten gleichzeitig gebaut werden.

 

 Baudurchführung

Folgende Baumaßnahmen wurden bereits abgeschlossen:

  • Die Bautätigkeiten "Ritterstraße" wurden im März 2011 abgeschlossen. Weitere Bautätigkeiten sind in der Vorbereitung.
  • Der Umbau Busbahnhof Döbeln wurde fristgemäß fertiggestellt.
  • Vergabe vorgezogener Bauabschnitt Flutmulde (rechte Seite, zwischen Wehr und Busbahnhof incl. Zufahrtsrampe zur Flutmulde); Bauzeit 10/2013 - 03/2014
  • Abschnitt I/1.2 (Mühlgraben Sörmitz) - ca. 350 m HWS-Wand auf überschnittener Bohrpfahlwand sowie ca. 100 m Deich; Bauzeit bis Mitte 2014
  • 1. Bauabschnitt Flutmulde (beidseitig bis Brücke Straße des Friedens), Bauzeit 08/2014 - 12/2016
  • Abriss Schlossbergwehr / Neubau Verteilerwehr, Bauzeit 05/2014 - 12/2016